Good bye!

Aus den Schweizer Bergen in den Golan mit dem Hermon-Gebirge...

Samstag, 21. April 2012

Arbeiten mit Guy und Lilach

 Da uns schon einige Freunde und Bekannte gefragt haben, was wir denn eigentlich in Israel konkret machen, haben wir uns entschlossen, diese Frage hier auch zu beantworten.  Wir haben uns ja ueber die website von goeco fuer den aktuellen Einsatz  gemeldet, weil das eines von zwei Angeboten war, welches Personen ueber 60 als Volontaere ueberhaupt noch aufnimmt…



VLNR: Fred, Guy, Hamudi & Lilach am Grillen
Aufgrund der Bezeichnung “Nimrod EcoLodge” erwarteten wir eigentlich ein oekologisches Projekt. Nun, Guy und Lilach betreiben hier in Nimrod das “Golan Heights Hostel”, das neun rustikale Huetten fuer Uebernachtungen im Golan und einen wunderschoen in einem Obstgarten angelegten Campingplatz anbietet. Guy als praktischer Allrounder ist fuer die Infrastruktur zustaendig, Lilach fuer den Garten und das Essen. Der oekologische Aspekt ist der, dass Guy alles Material sammelt, um es irgendwie wieder zu verwenden, und Lilach versucht sich in Eigenversorgung aus eigener Anpflanzung. Es gibt auch solare Wasseraufbereitung, und saemtliche Beleuchtungen sind mit Energiesparlampen ausgeruestet. Ansonsten wird hier aber ganz aehnlich wie bei uns gewirtschaftet, dh Elektrizitaet und Benzin verbraucht, und der Abfall wird in grossen Mengen entsorgt und ausser den Pet-Flaschen  kaum rezykliert.

Wir leben in einer einfachen, ganz in Holz gehaltenen Huette, die wir aktuell mit einem weiteren Helfer, Ranaan, teilen. Unser Tag beginnt so nach 7 Uhr, damit wir dann gegen 8 Uhr einsatzbereit sind. Manchmal muss auch schon frueher angepackt werden, wenn Gaeste in den Huetten Fruehstueck bestellt haben, welches um 9 Uhr ausgeliefert werden muss. Das Angebot ist typisch israelisch mit verschiedenen Frischkaesen, gebratenen und gerollten Auberginenscheiben, drei verschiedenen Salaten, Kuechlein mit Matzen (dem ungesaeuerten juedischen Brot, aehnlich unserem Knaeckebrot), Eieromeletten, Oliven, Butter, Konfi und Nutella (!) – alles zusammen wirklich eine Augenweide. Anschliessend wird das ganze den Gaesten von uns auf grossen runden Serviertabletts serviert.

Wir genehmigen uns dann auf diesen Einsatz hin eine Tasse Kaffee (meist tuerkisch, mit Zucker), bevor wir uns an das Projekt des Tages machen, das sehr verschieden aussehen kann: 
  
  • Elektrisch, Duschen und WCs auf dem Campingplatz kontrollieren, Abfall einsammeln und entsorgen (der 4-Rad-Toeff ist dabei sehr hilfreich...).


  • Aufraeumen in den benuetzten Huetten, Geschirr abwaschen und wechseln der Waesche, was normalerweise Kifach, eine junge Drusin (arabische Beveolkerungsgruppe im Golan, die stark mit Syrien verbunden ist) besorgt, der wir aber bei starker Belegung der Huetten zur Hand gehen.
  •  Waesche besorgen (die 6 Waschmaschinen bzw Trockner sind fast 24 Stunden im Einsatz, wenn Vollbelegung herrscht, was zB ueber die Passah-Woche der Fall war) und zusammenlegen. Das Abwasser wird uebrigens zur Bewaesserung der Beete rund ums Haus verwendet.
  • Unser erster Job, der bis heute noch nicht ganz beendet ist, war das Raeumen eines Erdbeerenfeldes mit haengenden Erdschlaeuchen auf einer Terrasse unterhalb der tiefstgelegenen Gaestehaeuser, welches waehrend der letzten drei Jahren mit maessigem Erfolg betrieben wurde. Die Erdschlaeuche werden nun fuer ein Gartenprojekt in der Naehe des Hauses wieder verwendet (siehe weiter unten).










  • Auch der Campingplatz war in den ersten Tagen fuer den Ansturm von Gaesten waehrend der Passah-Woche bereit zu machen, indem defekte Lampen ersetzt, hoelzerne Liegebetter repariert, Abfaelle zusammegelesen und die defekten Zaeune instand gestellt wurden. Nach einer Idee von Guy geschah das letztere nicht mit den bisherigen Brettern, sondern mit abgeschnitteten Aesten der Apfelbaeume, die wir in kunstvoller Manier als natuerlichen Hag herrichteten. Auch mussten bei Duschen und WCs einige Bretter fixiert und zerbrochene ersetzt werden.  
  • Feuerholz wird in Mengen gebraucht, wenn es kalt ist, was anfangs mehrheitlich der Fall war (jede Huette ist mit einem Holzofen ausgeruestet). Guy fuhr mit uns eines Tages sogar etwa 15 Kilometer bis an die syrische Grenze, um die im Winter abgebrochenen Aeste von Pinien und Eukalyptus abzusaegen und im Anhaenger und Pickup nach Hause zu fuehren. Bettina schleppte mehrheitlich das Holz, waehrend Guy es mir zutraute, mit der Kettensaege zu hantieren. Es eruebrigt sich zu sagen, dass wir alle abends muede und harzverschmiert zurueckkkehrten.
  • Das Familien-Schwimmbad war nach dem langen und offenbar harten Winter ziemlich verschmutzt und voll von Foehren-Nadeln, was unseren diesbezueglichen Einsatz noetig machte sowie denjenigen eines Unterwasser-Saeuberungs-Roboters, der aber alle zwei Stunden wieder selber gesaeubert werden musste – eine wahre Sysiphus-Arbeit.
  • Dass Guys Werkstatt zwar sehr gut ausgeruestet, aber ein wahres Chaos ist, ist angesichts der bluehenden Phantasie ihres Besitzers kein Wunder. Etwas Aufraeumen half zwar kurzzeitig, und die Reparatur von diversen elektrischen Anschluessen verbesserte deren Infrastruktur. Immerhin kann man dank meiner innovativen Einrichtung drei Akkus gleichzeitig aufladen…
  • Ein weiteres noch auf Vollendung wartendes Projekt ist die Isolierung des Esssaales mit Styropor, der nur eine Holzwand aus den Zeiten hat, als das Wohnhaus noch Teil der Armeeunterkunft auf dem Golan war. Auch heute sind die Besitzverhaeltnisse noch nicht ganz geklaert, was Lilach der allmaechtigen Buerokratie zuschreibt.



  • Ziemlich neu und praktisch nur noch auf die definitive Verwendung wartend ist die Gartenanlage vor der Kueche mit einem ingenioesen Bewaesserungs-Kreislauf: eine Pumpe pumpt das Wasser aus einem Bassin durch Lochschlaeuche in die Erdschlaeuche (von der ehemaligen Erdbeeren-Pflanzung!), die in Kaenneln liegen (ebenfalls vom Erdbeeren-Projekt) , welche das ueberschuessige Wasser wieder zurueck ins Bassin leiten. Damit soll der Wassserverbrauch kontrolliert und minimiert werden.

Diese Aufzaehlung unserer Taetigkeiten erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollzaehligkeit, da Guy taeglich wieder mit anderen Ideen kommt, die er verwirklichen will. Er ist so kreativ, dass ihm keine Zeit bleibt, sich ordentlich zu organisieren – aber er kann ueber dieses Manko mit uns zusammen lachen und ist sich dessen durchaus bewusst.

Was uns betrifft, ist es natuerlich schoen, dass kein Tag dem anderen gleicht und wir viel Abwechslung haben, aber andrerseits merkt man kaum, dass man um solche umtriebigen Leute herum schnell 8 Stunden hart arbeitet. Und das ist fuer uns verweichlichte Mitteleuropaeer nicht immer ganz einfach. Und wenn wir uns nicht darueber auessern, koennten wir gut und gern 7 Tage in der Woche taetig sein! Aber keine Angst, wir versuchen immer mal wieder, uns einen Tag fuer anderes frei zu nehmen. Doch darueber dann in einem neuen blog!  

Le hitraot!

Donnerstag, 12. April 2012

Angekommen in Nimrod...

Nimrod ist ein winziges Dorf im aeussersten Norden Israels in jenem Gebiet, welches 1967 den Syrern abgenommen wurde, weil die Israelis den staendigen Beschuss von den Hoehen des Golan satt hatten. Ausser Nimrod gibt es hier ein Ski-Resort, palaestinensische und juedische Siedlungen sowie einige Drusen-Doerfer, wie zB Mas'ada, die naechste Einkaufsmoeglichkeit ca 3/4 Stunden entfernt. Die Hoehe ueber Meer betraegt 1100 m und es ist aktuell noch ziemlich kuehl nach einem wie man uns erzaehlt hat strengen Winter. Die Auswirkungen, naemlich die vom Schnee abgebrochenen Aeste der Pinien und Eukalyptusbaeume konnten wir mit eigenen Augen sehen.

Ja, am Dienstag, den 27. Maerz, reisten wir von Jerusalem mit dem Bus hierher, nachdem uns ein freundliche Helfer vom Abraham Hostel den Weg zum Busbahnhof gezeigt hatte. Wir gelangten uebrigens dorthin mit einem Jerusalemer-Tram, das den Vergleich mit Zuerichs Cobra keineswegs zu scheuen braucht! Dann bestiegen wir einen Ueberlandbus, der uns in ca 4 Stunden via See Genezareth nach Kiryat Schemona am noerdlichen Ende des Hula Valley und schon am Fusse des Golan brachte. Dort mussten wir umsteigen, was gar nicht so leicht war, da saemtliche Inschriften in Hebraeisch waren, immerhin ausser den Linien-Nummern, welche auch ich lesen konnte. Auf dem Bild ist eine Ansicht des Fahrplans an der Haltestelle zu sehen...

Immerhin konnten wir nach fast anderthalb Stunden den Anschlussbus besteigen und beim Buschauffeur unsere Billette bis zur Abzweigung nach Nimrod loesen - zum Glueck auf Englisch. Dass der Chauffeur mich fragte ob ich "an old man" sei, hatte neben der niederschmetternden Erkenntnis meines wahren Alters immerhin den Vorteil, dass mein Seniorezustand zu einem Halbpreis-Billett fuehrte. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir die uns vorhergesagte Abzweigung nach Nimrod, von wo aus wir unseren zukuenftigen Gastgeber anriefen, damit er uns mit seinem Truck abholen konnte. Wir mussten uns beim Warten in unsere warmen Jacken einhuellen, da es sehr kalt und unfreundlich geworden war.
Als Guy dann ankam, war das ganze Vehikel ziemlich voll mit allerlei Krimskrams, auch der Fahrgastraum. Immerhin hatte unser Gepaeck spielend auf der offenen Plattform Platz, und unser Fahrer entpuppte sich als sehr freundlicher Mensch mit Rastafrisur, Brille und sehr dunkler Haut (wir erfuhren spaeter, dass er ein urspruenglich aus Yemen stammender Israeli ist).
Seine Frau bekamen wir kurze Zeit spaeter zu Gesicht. Sie heisst Lilach und hat eine fast ebenso ungewoehnliche Frisur wie ihr Mann. Zusammen haben sie vier Kinder, von denen die aelteste Tochter kurz vor ihrem Militaerdienst steht und der aelteste Sohn autistisch ist. Von Ronaan, einem jungen Mitarbeiter des Betriebes wurden wir herum- und kurz in die Gepflogenheiten des Ortes eingefuehrt. Es gibt neun Logis in einfachen Holzhuetten, von denen aber doch jede ueber einen Whirlpool und einen Holzofen als Heizung verfuegt. Weiter ist auch ein Campingplatz mit Elektroanschluss, WCs und Warmwasserduschen vorhanden. Daneben gibt's Obstgaerten und andere Anlagen im Freien, eine gut ausgebaute Holzwerkstatt, grosse Holzstapel und diversesten Krimskrams hinter dem Haus...
Das Hermongebirge ist noch winterlich schneebedeckt...

Auf alle Faelle sind wir gespannt, was uns hier erwartet und fallen ziemlich muede in unser Bett, das wir uns mit zwei Schaumstoffmatratzen auf der Plattform unterm Dach unserer Volontaer-Unterkunft eingerichtet haben...