Good bye!

Aus den Schweizer Bergen in den Golan mit dem Hermon-Gebirge...

Freitag, 25. Mai 2012

Zur aktuellen Situation im Golan


“Ist es nicht gefaehrlich fuer Euch, ausgerechnet in Israel Freiwilligenarbeit zu leisten?” haben uns manche Bekannte und Freunde vor rund drei Monaten gefragt. Natuerlich haben wir uns damals schon im Vorfeld ueber die aktuelle Lage im Nahem Osten informiert, und die Meldungen aus zB Syrien waren und sind ja alles andere als ermutigend.

Und nun haben wir es am eigenen Leib erlebt: eigentlich gibt es kaum einen friedlicheren Ort in dieser Gegend als ausgerechnet den Golan, und wir leben hier etwa 2 km von der syrischen Grenze entfernt! Wir haben uns sagen lassen, dass diese Grenze Israels bisher mit Abstand die wenigsten Zwischenfaelle aufweist, wenn man einmal vom letzten Jahr absieht. Da stroemten naemlich am “Tag des Desasters” (“nakbade”, dem Tag der Unabhaengigkeitserklaerung Israels im Jahr 1948) Hunderte von Palaestinensern von Syrien aus ueber die Grenze nach Majdal Shams (drusische Grenzstadt), wo sie ziemlich agressiv randalierten. Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass es zu diesem Zwischenfall kam, denn die hier ansaessigen Drusen (arabische, von den eigentlichen Moslems ziemlich frueh abgespaltene Minderheit) sind sich durchaus bewusst, dass sie in Israel ein sehr viel besseres Leben haben als in ihrem Stammland Syrien. Zudem ist ihre Religion friedlich ausgerichtet, und so haben denn auch letztes Jahr die glaeubigen Drusen versucht, die Randalierer zu bremsen – und wurden selber von diesen attackiert.
Israeli, Schweizer, Jemenite, Druse...

Saed, Kifachs Gatte, beim Feuern
Dass trotz ethnischen, religioesen und staatspolitischen Unterschieden ein friedliches Zusammenleben moeglich ist, zeigen die Bekannt- und Freundschaften der Familie Ashtar, bei der wir aktuell leben. Kifach, die fast jeden Tag kommt, um bei der Instandstellung der “Cabins” (der Gaestehuetten), den bestellten Morgenessen und dem nie enden wollenden Abwasch zu helfen, ist Drusin. Auch ihr Mann Saed ist oefterns Gast im Hause, und Hamud ist ein weiterer Freund, welcher Guy beim Pflastern der Hauswand half. Bei Kifach und Saed waren wir sogar einmal eingeladen, und sie zeigten uns bei einer naechtlichen Rundfahrt die Gegend inklusive den Grenzzaun zu Syrien. Man hilft sich normalerweise ueber die oben erwaehnten Unterscheide hinaus, wobei sich  politische Diskussionen meist in Grenzen halten.

Aber Guy und vor allem Lilach machen kein Hehl daraus, dass sie sehr ueberzeugte Nationalisten sind, dh sie unterstuetzen die Haltung der Regierung, die fuer die Nation sichere Grenzlinien will. Und wir koennen gut verstehen, dass fuer sie die Erklaerung der Knesset von 1982 bindend ist, als der Golan zum integralen Teil Israels erklaert wurde. Verhandeln kann man ja immer und immer wieder – wenn denn der Verhandlungspartner auch vertrauenswuerdig ist und sich an die Abmachungen haelt, was scheints bei den Palaestinensern kaum der Fall zu sein scheint. Der fruehere Assad senior von Syrien zB soll mehrere Gelegenheiten fuer einen bindenden Vertrag mit Israel (mit Landrueckgabe!) verpasst haben, weil er immer wieder neue Forderungen stellte, nachdem die Abmachungen praktisch schon niedergeschrieben waren.
Soldaten auf dem Hermon

Auf alle Faelle kann man auch hier bei uns deutlich sehen, das Israel alles andere als eine sicher etablierte Nation ist, sondern auch heute noch stets um seine Existenz bangen muss. Auf jeder hoeheren Erhebung im Golan kann man die militaerischen Anlagen sehen, und die Armee ist stets in Bereitschaft. Wir wurden sogar Zeugen einer kombinierten militaerisch-zivilen Uebung mit einer ganzen Division: Lilach, unsere Gastgeberin musste ihre Abmachungen letzte Woche fuer den ganzen Tag absagen und als Sicherheitsverantwortliche von Nimrod daran teilnehmen. Da konnten wir sie mit Walkie-Talkie und Gewehr ausgeruestet miterleben, wie sie mit den fuer unser Dorf abgestellten Einheiten zusammen das Verteidigungsdidpositiv aufstellte. Auf dem hinter dem Haus gelegenen Bunker errichtete eine Gruppe einen Ausguck, waehrend die andere den Dorfeingang mit dem Eisentor bewachte. Die Waffen waren zwar nicht geladen, aber die vollen Magazine daran befestigt, um sofort fuer den Einsatz bereit zu sein. Einer der temporaeren Einwohner Nimrods ist uebrigens ein hoher Militaer im Range eines Einstern-Generals.

Trotz der damit demonstrierten Omnipraesenz des Miltaers beziehungsweise der staendigen Einsatzbereitschaft haben wir hier nie das Gefuehl von Bedrohung oder Gefahr, sondern fuehlen uns wirklich wohl und sicher im Nordzipfel Israels.

Dienstag, 1. Mai 2012

Weitere Ausfluege von Nimrod aus

Blick von Nimrod auf den Ram-See und rechts davon die Siedlung Mas'ade
Einen weiteren Erkundungstrip zu Fuss machten wir mit unserem temporaeren Mit-Volontaer Yan nach Mas'ade, der naechstgelegenen Drusensiedlung mit etwas gleich vielen Einwohnern wie Felben-Wellhausen - aber einer doppelspurigen, richtungsgetrennten Hauptstrasse. 


Doch zuerst einmal fuehrte uns unser Weg durch die vielen Obstgaerten, die an den Haengen terassenartig angelegt sind und meistens von drusischen Bauern bewirtschaftet werden. Die Drusen sind urspruenglich Syrer, aber keine eigentlichen Muslime, von denen sie sich im  Jahrhundert abgespalten haben und nun eine Art Sekte und damit eine Minderheit bilden. Das ganze Gebiet hier ist bekannt fuer die reichen Ernten von Kirschen und Aepfeln, aber wir sahen auch Quitten-, Aprikosen-, Pfirsich- und Kiwi-Baeume, von denen die Kirschen schon verblueht, die anderen in voller Bluete. Dass ich in einer Anlage sogar einen Hasen davon hoppeln sah, brachte ich natuerlich in Verbindung mit dem aktuellen Ostertag. 

Hermon-Gebirge hinter dem Berekhat Ram
Wir wanderten weiter zum Ram-See, welcher sich in der Groesse etwa mit dem Guebsenweiher vergleichen liesse und den wir von Nimrod aus taeglich bewundern koennen. Die Form des Sees laesst unschwer darauf schliessen, dass es sich um einen ehemaligen Vulkankrater handelt, was durch das Basaltgestein der Gegend bestaetigt wird. Der Spaziergang um den See herum war sehr angenehm, wenn auch etwas getruebt durch die Verschmutzung der Ufer mit Zivilisationsabfall aus Kunststoffen und anderem Material. Da die heisse Sonne Durst und der staubige Weg Hunger machte, entschlossen wir uns zu einem Besuch in einem - natuerlich dem besten - Einheimischen-Restaurant mit Strassencafe und Feuerstelle im Freien fuer die diversen Kebabs. 

Die grosse gemische Platte mit den diversen lokalen Spezialitaeten und die wundervoll frisch gemachte echte Limonade machte uns alle drei satt und zufrieden. Und der Weg zurueck auf die Anhoehe von Nimrod war anschliessend nicht mehr schwer, obwohl wir fuer den Aufstieg doch etwas mehr als eine Stunde benoetigten. 













Die bisher letzte Freitags-Aktivitaet brachte uns zusammen mit Ranaan, dem anderen Freiwilligen, mit welchem wir zusammen wohnen, auf den Hermonberg. Er ist die hoechste Erhebung hier in Israel, mit 2236 m fast so hoch wie der Saentis und dieses Jahr immer noch mit etwas Schnee bedeckt. Wir durften den Pickup von Guy ausleihen und fuhren mit diesem via Majdal Shams (ebenfalls exklusiv drusisch) zum Skigebiet Mount Hermon auf ca 1800 m Hoehe. Eigentlich ist der Hermon nicht ein einzelner Berg, sondern ein Massiv aehnlich unserem Alpstein, mit mehreren Gipfeln, von denen einer nun israelisch besetzt ist. 
Blick gegen Westen, im Hintergrund der Libanon
Dieser Teil wird auch "das Auge der Nation" genannt und ist von diversen militaerischen Anlagen ueberzogen, die das strategisch wichtige Gebiet dauernd ueberwachen. Natuerlich sind wir unbedarften Schweizer auf dem Gipfel, den wir mit dem Sessellift unter massiven Windattacken erreichten, bei unseren Erkundungen im Schnee genau ins militaerische Sperrgebiet hineingeraten, was uns einen hoeflichen aber sehr entschiedenen Hinauswurf einbrachte (aber wenigstens keine Festnahme und kein Verhoer, wie das einem deutschen Tramper offenbar passiert ist, wie er uns erzaehlt hatte).

Spannend war fuer uns vor allem, wie sehr traditionell gekleidete orthodoxe Judenfamilien sich auf dem Hermon im Schnee so richtig austobten, obwohl die Kleidung alles andere als fuer den Wintersport geeignet ist. 


Ranaan machte uns dann noch mit dem Betreiber einer Rollschlitten-Anlage (natuerlich Druse) bekannt, wo wir noch einen typischen tuerkischen Kaffee vorgesetzt bekamen. 

Auf dem Rueckweg vom Berg machten wir in Majdal Shams Halt, da uns Ranaan die Herstellerin des besten Drusenbrots vorstellen wollte. Es ist ein Vollkornteig, der hauchduenn ausgewallt und ausgezogen wird, um anschliessend ueber einem von unten geheizten Ofen (siehe Bild) knusprig und trotzdem biegsam gebacken zu werden: dannwird das ganze mit einer Art Joghurt-Kaese und Gewuerzen gefuellt und auf Briefgroesse zusammengelegt. Natuerlich mussten wir das Produkt probieren, und natuerlich blieb es nicht bei einem Exemplar, was uns drei zusammen etwas weniger als 100 Schekel kostete (fast 20 Franken). Jedenfalls brauchten wir am Abend kaum noch Nachtessen, weil wir uns die Baeuche so voll geschlagen hatten...


Erkunden der Umgebung von Nimrod

Natuerlich sind wir nicht ganz immer am Krampfen. Hin und wieder gibt es wirklich auch eine kleine Auszeit. Wie versprochen hier also ein vorlaeufiger Bericht ueber unsere Freizeit, die wir fuer das Erkunden der Umgebung Nimrods verwendet haben. 


Unser erster Ausflug fuehrte uns zu den hier bekannten Sehenswuerdigkeiten des Schlosses Nimrod und den Pan-Quellen bzw -Wasserfaellen (Banias). In einem recht angenehmen Abstieg von Nimrod ueber fast alpin anmutende Weiden mit Kuehen und diversen uns meist unbekannten Pflanzen (siehe Uebersicht auf facebook) erreichten wir nach ca 1 1/2 Sunden die Hauptstrasse nach dem Schloss Nimrod, wo ein Parkplatz fuer ein drusisches Heiligtum und ein Campingplatz zu finden sind. Unsere Frage nach einem Fussweg zu den Ruinen bei den israelischen Campern fuehrte dazu, dass uns ein netter junger Pfadifuehrer mit dem Auto bis auf den Bergsporn auf ueber 800 m mit den Ueberresten der Burg fuehrte. Heiss war der Tag und heiss die Felsen, so dass die Klippschliefer (wir tippten zuerst auf eine Art Murmeltiere) traege in der Sonne verdauten und sich nicht gross stoeren liessen. Die monumentale Anlage, benannt nach dem mutigen biblischen Jaeger Nimrod, ist sehr wahrscheinlich durch dem muslimischen Herrscher El-Malik el-Aziz Uthman im 12. Jahrhundert erbaut worden und wechselte im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals von Muslimen zu Kreuzrittern und zurueck und wurde etwa im 15. Jahrhundert verlassen. Noch ist nicht alles der etwa 400m auf 150m messenden Anlage ausgegraben, aber das aktuell Sichtbare ist auf alle Faelle imposant und sehenswert.
Der Abstieg ins Tal gestaltete sich etwas laenglich, musste doch immer wieder ueber Felsbrocken und durch Buesche gestiegen werden, sodass wir nach weiteren 1 1/2 Stunden im Talgrund bei den Banias ankamen und die Ueberreste von griechischen und roemischen Gebaeuden, welche vornehmlich dem Pan-Kult dienten, bewundern konnten. 


Wir genehmigten uns einen kuhelen Fruchtsaft im Touristen-Kiosk und nahmen dann den sehr angenehmen und schattigen Weg entlang dem Fluss unter die Fuesse und erreichten nach einer weiteren Stunde die Wasserfaelle von ca 10m Hoehe. 

Fuer Israelis sind das die nationalen Niagara-Faelle und symbolisieren das sehr geschaetzte Lebenselixier Wasser, ohne das hier keine Agrikultur moeglich ist. Nachdem wir uns am Stand beim Ausgang noch mit Feigenkonfi und Aepfeln eingedeckt hatten, marschierten wir den staubigen Weg bis zur Hauptstrasse und dem Bus-Halt - entlang an gruenen Gebieten mit Zaeunen und Tafeln die vor Minen warnten. 

Die Krone unseren Ausfluges bildete die Tatsache, dass der Bus unser Haltezeichen einfach uebersah und vorbei flitzte, sodass wir erst zwei Stunden spaeter und eine Haltestelle weiter dann den letzten Bus nach Nimrod (siehe unten) erwischten...

Um diesen blog nicht zu ueberladen, berichte ich spaeter ueber weitere Ausfluege. (Sorry, dass ich die Bilder nicht immer wie gewuenscht in den Text einfuegen konnte - aber es sollte schon sichtbar sein, was sie darstellen, oder?)


Samstag, 21. April 2012

Arbeiten mit Guy und Lilach

 Da uns schon einige Freunde und Bekannte gefragt haben, was wir denn eigentlich in Israel konkret machen, haben wir uns entschlossen, diese Frage hier auch zu beantworten.  Wir haben uns ja ueber die website von goeco fuer den aktuellen Einsatz  gemeldet, weil das eines von zwei Angeboten war, welches Personen ueber 60 als Volontaere ueberhaupt noch aufnimmt…



VLNR: Fred, Guy, Hamudi & Lilach am Grillen
Aufgrund der Bezeichnung “Nimrod EcoLodge” erwarteten wir eigentlich ein oekologisches Projekt. Nun, Guy und Lilach betreiben hier in Nimrod das “Golan Heights Hostel”, das neun rustikale Huetten fuer Uebernachtungen im Golan und einen wunderschoen in einem Obstgarten angelegten Campingplatz anbietet. Guy als praktischer Allrounder ist fuer die Infrastruktur zustaendig, Lilach fuer den Garten und das Essen. Der oekologische Aspekt ist der, dass Guy alles Material sammelt, um es irgendwie wieder zu verwenden, und Lilach versucht sich in Eigenversorgung aus eigener Anpflanzung. Es gibt auch solare Wasseraufbereitung, und saemtliche Beleuchtungen sind mit Energiesparlampen ausgeruestet. Ansonsten wird hier aber ganz aehnlich wie bei uns gewirtschaftet, dh Elektrizitaet und Benzin verbraucht, und der Abfall wird in grossen Mengen entsorgt und ausser den Pet-Flaschen  kaum rezykliert.

Wir leben in einer einfachen, ganz in Holz gehaltenen Huette, die wir aktuell mit einem weiteren Helfer, Ranaan, teilen. Unser Tag beginnt so nach 7 Uhr, damit wir dann gegen 8 Uhr einsatzbereit sind. Manchmal muss auch schon frueher angepackt werden, wenn Gaeste in den Huetten Fruehstueck bestellt haben, welches um 9 Uhr ausgeliefert werden muss. Das Angebot ist typisch israelisch mit verschiedenen Frischkaesen, gebratenen und gerollten Auberginenscheiben, drei verschiedenen Salaten, Kuechlein mit Matzen (dem ungesaeuerten juedischen Brot, aehnlich unserem Knaeckebrot), Eieromeletten, Oliven, Butter, Konfi und Nutella (!) – alles zusammen wirklich eine Augenweide. Anschliessend wird das ganze den Gaesten von uns auf grossen runden Serviertabletts serviert.

Wir genehmigen uns dann auf diesen Einsatz hin eine Tasse Kaffee (meist tuerkisch, mit Zucker), bevor wir uns an das Projekt des Tages machen, das sehr verschieden aussehen kann: 
  
  • Elektrisch, Duschen und WCs auf dem Campingplatz kontrollieren, Abfall einsammeln und entsorgen (der 4-Rad-Toeff ist dabei sehr hilfreich...).


  • Aufraeumen in den benuetzten Huetten, Geschirr abwaschen und wechseln der Waesche, was normalerweise Kifach, eine junge Drusin (arabische Beveolkerungsgruppe im Golan, die stark mit Syrien verbunden ist) besorgt, der wir aber bei starker Belegung der Huetten zur Hand gehen.
  •  Waesche besorgen (die 6 Waschmaschinen bzw Trockner sind fast 24 Stunden im Einsatz, wenn Vollbelegung herrscht, was zB ueber die Passah-Woche der Fall war) und zusammenlegen. Das Abwasser wird uebrigens zur Bewaesserung der Beete rund ums Haus verwendet.
  • Unser erster Job, der bis heute noch nicht ganz beendet ist, war das Raeumen eines Erdbeerenfeldes mit haengenden Erdschlaeuchen auf einer Terrasse unterhalb der tiefstgelegenen Gaestehaeuser, welches waehrend der letzten drei Jahren mit maessigem Erfolg betrieben wurde. Die Erdschlaeuche werden nun fuer ein Gartenprojekt in der Naehe des Hauses wieder verwendet (siehe weiter unten).










  • Auch der Campingplatz war in den ersten Tagen fuer den Ansturm von Gaesten waehrend der Passah-Woche bereit zu machen, indem defekte Lampen ersetzt, hoelzerne Liegebetter repariert, Abfaelle zusammegelesen und die defekten Zaeune instand gestellt wurden. Nach einer Idee von Guy geschah das letztere nicht mit den bisherigen Brettern, sondern mit abgeschnitteten Aesten der Apfelbaeume, die wir in kunstvoller Manier als natuerlichen Hag herrichteten. Auch mussten bei Duschen und WCs einige Bretter fixiert und zerbrochene ersetzt werden.  
  • Feuerholz wird in Mengen gebraucht, wenn es kalt ist, was anfangs mehrheitlich der Fall war (jede Huette ist mit einem Holzofen ausgeruestet). Guy fuhr mit uns eines Tages sogar etwa 15 Kilometer bis an die syrische Grenze, um die im Winter abgebrochenen Aeste von Pinien und Eukalyptus abzusaegen und im Anhaenger und Pickup nach Hause zu fuehren. Bettina schleppte mehrheitlich das Holz, waehrend Guy es mir zutraute, mit der Kettensaege zu hantieren. Es eruebrigt sich zu sagen, dass wir alle abends muede und harzverschmiert zurueckkkehrten.
  • Das Familien-Schwimmbad war nach dem langen und offenbar harten Winter ziemlich verschmutzt und voll von Foehren-Nadeln, was unseren diesbezueglichen Einsatz noetig machte sowie denjenigen eines Unterwasser-Saeuberungs-Roboters, der aber alle zwei Stunden wieder selber gesaeubert werden musste – eine wahre Sysiphus-Arbeit.
  • Dass Guys Werkstatt zwar sehr gut ausgeruestet, aber ein wahres Chaos ist, ist angesichts der bluehenden Phantasie ihres Besitzers kein Wunder. Etwas Aufraeumen half zwar kurzzeitig, und die Reparatur von diversen elektrischen Anschluessen verbesserte deren Infrastruktur. Immerhin kann man dank meiner innovativen Einrichtung drei Akkus gleichzeitig aufladen…
  • Ein weiteres noch auf Vollendung wartendes Projekt ist die Isolierung des Esssaales mit Styropor, der nur eine Holzwand aus den Zeiten hat, als das Wohnhaus noch Teil der Armeeunterkunft auf dem Golan war. Auch heute sind die Besitzverhaeltnisse noch nicht ganz geklaert, was Lilach der allmaechtigen Buerokratie zuschreibt.



  • Ziemlich neu und praktisch nur noch auf die definitive Verwendung wartend ist die Gartenanlage vor der Kueche mit einem ingenioesen Bewaesserungs-Kreislauf: eine Pumpe pumpt das Wasser aus einem Bassin durch Lochschlaeuche in die Erdschlaeuche (von der ehemaligen Erdbeeren-Pflanzung!), die in Kaenneln liegen (ebenfalls vom Erdbeeren-Projekt) , welche das ueberschuessige Wasser wieder zurueck ins Bassin leiten. Damit soll der Wassserverbrauch kontrolliert und minimiert werden.

Diese Aufzaehlung unserer Taetigkeiten erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollzaehligkeit, da Guy taeglich wieder mit anderen Ideen kommt, die er verwirklichen will. Er ist so kreativ, dass ihm keine Zeit bleibt, sich ordentlich zu organisieren – aber er kann ueber dieses Manko mit uns zusammen lachen und ist sich dessen durchaus bewusst.

Was uns betrifft, ist es natuerlich schoen, dass kein Tag dem anderen gleicht und wir viel Abwechslung haben, aber andrerseits merkt man kaum, dass man um solche umtriebigen Leute herum schnell 8 Stunden hart arbeitet. Und das ist fuer uns verweichlichte Mitteleuropaeer nicht immer ganz einfach. Und wenn wir uns nicht darueber auessern, koennten wir gut und gern 7 Tage in der Woche taetig sein! Aber keine Angst, wir versuchen immer mal wieder, uns einen Tag fuer anderes frei zu nehmen. Doch darueber dann in einem neuen blog!  

Le hitraot!

Donnerstag, 12. April 2012

Angekommen in Nimrod...

Nimrod ist ein winziges Dorf im aeussersten Norden Israels in jenem Gebiet, welches 1967 den Syrern abgenommen wurde, weil die Israelis den staendigen Beschuss von den Hoehen des Golan satt hatten. Ausser Nimrod gibt es hier ein Ski-Resort, palaestinensische und juedische Siedlungen sowie einige Drusen-Doerfer, wie zB Mas'ada, die naechste Einkaufsmoeglichkeit ca 3/4 Stunden entfernt. Die Hoehe ueber Meer betraegt 1100 m und es ist aktuell noch ziemlich kuehl nach einem wie man uns erzaehlt hat strengen Winter. Die Auswirkungen, naemlich die vom Schnee abgebrochenen Aeste der Pinien und Eukalyptusbaeume konnten wir mit eigenen Augen sehen.

Ja, am Dienstag, den 27. Maerz, reisten wir von Jerusalem mit dem Bus hierher, nachdem uns ein freundliche Helfer vom Abraham Hostel den Weg zum Busbahnhof gezeigt hatte. Wir gelangten uebrigens dorthin mit einem Jerusalemer-Tram, das den Vergleich mit Zuerichs Cobra keineswegs zu scheuen braucht! Dann bestiegen wir einen Ueberlandbus, der uns in ca 4 Stunden via See Genezareth nach Kiryat Schemona am noerdlichen Ende des Hula Valley und schon am Fusse des Golan brachte. Dort mussten wir umsteigen, was gar nicht so leicht war, da saemtliche Inschriften in Hebraeisch waren, immerhin ausser den Linien-Nummern, welche auch ich lesen konnte. Auf dem Bild ist eine Ansicht des Fahrplans an der Haltestelle zu sehen...

Immerhin konnten wir nach fast anderthalb Stunden den Anschlussbus besteigen und beim Buschauffeur unsere Billette bis zur Abzweigung nach Nimrod loesen - zum Glueck auf Englisch. Dass der Chauffeur mich fragte ob ich "an old man" sei, hatte neben der niederschmetternden Erkenntnis meines wahren Alters immerhin den Vorteil, dass mein Seniorezustand zu einem Halbpreis-Billett fuehrte. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir die uns vorhergesagte Abzweigung nach Nimrod, von wo aus wir unseren zukuenftigen Gastgeber anriefen, damit er uns mit seinem Truck abholen konnte. Wir mussten uns beim Warten in unsere warmen Jacken einhuellen, da es sehr kalt und unfreundlich geworden war.
Als Guy dann ankam, war das ganze Vehikel ziemlich voll mit allerlei Krimskrams, auch der Fahrgastraum. Immerhin hatte unser Gepaeck spielend auf der offenen Plattform Platz, und unser Fahrer entpuppte sich als sehr freundlicher Mensch mit Rastafrisur, Brille und sehr dunkler Haut (wir erfuhren spaeter, dass er ein urspruenglich aus Yemen stammender Israeli ist).
Seine Frau bekamen wir kurze Zeit spaeter zu Gesicht. Sie heisst Lilach und hat eine fast ebenso ungewoehnliche Frisur wie ihr Mann. Zusammen haben sie vier Kinder, von denen die aelteste Tochter kurz vor ihrem Militaerdienst steht und der aelteste Sohn autistisch ist. Von Ronaan, einem jungen Mitarbeiter des Betriebes wurden wir herum- und kurz in die Gepflogenheiten des Ortes eingefuehrt. Es gibt neun Logis in einfachen Holzhuetten, von denen aber doch jede ueber einen Whirlpool und einen Holzofen als Heizung verfuegt. Weiter ist auch ein Campingplatz mit Elektroanschluss, WCs und Warmwasserduschen vorhanden. Daneben gibt's Obstgaerten und andere Anlagen im Freien, eine gut ausgebaute Holzwerkstatt, grosse Holzstapel und diversesten Krimskrams hinter dem Haus...
Das Hermongebirge ist noch winterlich schneebedeckt...

Auf alle Faelle sind wir gespannt, was uns hier erwartet und fallen ziemlich muede in unser Bett, das wir uns mit zwei Schaumstoffmatratzen auf der Plattform unterm Dach unserer Volontaer-Unterkunft eingerichtet haben... 

Samstag, 31. März 2012

Erster Tag in Jerusalem

Witzige Wandinschrift im Abraham Hostel... 















Am Montagmorgen, den 26. Maerz, wurden wir von unserer Organisation GoEco bzw deren Vertreter Jonathan begruesst, der uns einige Details ueber unseren Einsatzort und die Leute, die die EcoLodge in den Huegeln von Nimrod betreiben, bekannt gab: Guy und Lilach leben dort mit ihren vier Kindern, von denen der Zweitaelteste autistisch ist. Wir wurden schon da sehr neugierig darauf, was uns in diesem noerdlichsten Teil Israels (eigentlich ist es okkupiertes und frueher syrisches Gebiet) erwartet. Anschliessend informierte uns Sofia ganz allgemein ueber Wissenswertes rund ums Reisen in Israel und gab uns diverse Tipps bezueglich Reisen, Geld, Sicherheit und Kommunikation in Israel. Sie ruestete uns mit einer Israelischen SIM-Karte aus, die mit meinem Swisscom-Natel einwandfrei funktioniert: man kann uns also nun ein SMS auf die Nummer +972 525 782 368 schicken...




Stadtmauer mit Flagge
Unser Fuehrer Mitch
Jaffa-Tor
Um die Mittagszeit herum hatten wir Gelegenheit, den nahen Markt zu besuchen, der schon einen sehr orientalischen Eindruck machte und ein spezielles Erlebnis fuer Augen, Ohren und vor allem die Nase war. Nachdem wir uns nochmals mit einigen Schekels (der einheimischen Waehrung) versehen hatten, konnten wir uns einem Helfer des Abraham Hostels anschliessen, der uns in einem 20-minuetigen Fussmarsch zum Jaffa-Tor der Altstadt brachte. Dort erwarteten uns einige Leute, die fuer verschiedene Touren zu den Sehenswuerdigkeiten des alten Jerusalem warben. Wir entschieden uns fuer die allgemeine Gratisrunde, die fuer jedermann angeboten wird, der sich einen ersten Ueberblick verschaffen will. Mitch, unser Fuehrer, entpuppte sich als Amerikaner mit immensem historischen Wissen und einem speziellen Humor, der sich in diversen Anekdoten oder Sagen manifestierte. Beispielsweise musste ernatuerlich erklaeren, weshalb sich in der Stadtmauer neben dem Jaffa-Tor eine grosse Luecke befindet: beim Besuch Kaiser Wilhelms I. aus Deutschalnd wollte dieser zu Pferd mit grossen Gefolge in die Stadt einreiten, was nur durch einen Durchbruch der Mauer moeglich gewesen sein soll.    
Geburtskirche Christi
Torbogen im arabischen Viertel
Minarett der Moschee daneben


Unser rund zweieinhalbstuendiger Marsch durch Alt-Jerusalem brachte uns nacheinander durch das christliche, das muslimische, das armenische und das juedische Viertel. In jedem Teil spuerte man die Schwere der Geschichte, sei es bei der Geburtskirche Christi (die in der Ottomanenzeit zwar nicht abgerissen wurde, aber doch durch eine Moschee mit entsprechend hohem Minarett ueberragt werden musste), sei es die armenische Kirche des letzten Abendmahls oder die Kuppeln des Felsendoms (golden) oder der Al Aksa-Moschee (silbern). Mir hat persoenlich aber doch die West- oder Klagemauer den groessten Eindruck gemacht, vor allem auch die Tatsache, dass sich die Menschen dort trotz bestehenden Bedrohungen sehr frei und ungezwungen bewegen: orthodoxe Juden, Militaer, Touristen und viele andere. Die Bilder zeigen ein paar Eindruecke dieses speziellen Ortes.
Gruppen von Soldaten und Orthodoxen


























































Ich hatte etwas Muehe, die vielfaeltigen Erlebnisse zu verdauen, so dass ich ganz froh war, als Mitch unsere Tour in einem malerischen Gaertchen als beendet erklaerte und wir unsere mueden Knochen etwas ausruhen konnten. Bettina und ich warfen einen letzten Blick auf die sonnenbeschienene Stadtmauer und wandten uns Richtung Hostel.


Wir nahmen dabei einige Umwege in Kauf, um das heutige Jerusalem wenigstens ein bisschen zu Gesicht zu bekommen. Den Abend beschlossen wir in einem kaum touristisch orientierten juedischen Restaurant ("hier essen sie koscher") und kauften auf dem Rueckweg im Markt noch einige wundervolle Orangen und grosse suesse Datteln...