Good bye!

Aus den Schweizer Bergen in den Golan mit dem Hermon-Gebirge...

Freitag, 25. Mai 2012

Zur aktuellen Situation im Golan


“Ist es nicht gefaehrlich fuer Euch, ausgerechnet in Israel Freiwilligenarbeit zu leisten?” haben uns manche Bekannte und Freunde vor rund drei Monaten gefragt. Natuerlich haben wir uns damals schon im Vorfeld ueber die aktuelle Lage im Nahem Osten informiert, und die Meldungen aus zB Syrien waren und sind ja alles andere als ermutigend.

Und nun haben wir es am eigenen Leib erlebt: eigentlich gibt es kaum einen friedlicheren Ort in dieser Gegend als ausgerechnet den Golan, und wir leben hier etwa 2 km von der syrischen Grenze entfernt! Wir haben uns sagen lassen, dass diese Grenze Israels bisher mit Abstand die wenigsten Zwischenfaelle aufweist, wenn man einmal vom letzten Jahr absieht. Da stroemten naemlich am “Tag des Desasters” (“nakbade”, dem Tag der Unabhaengigkeitserklaerung Israels im Jahr 1948) Hunderte von Palaestinensern von Syrien aus ueber die Grenze nach Majdal Shams (drusische Grenzstadt), wo sie ziemlich agressiv randalierten. Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass es zu diesem Zwischenfall kam, denn die hier ansaessigen Drusen (arabische, von den eigentlichen Moslems ziemlich frueh abgespaltene Minderheit) sind sich durchaus bewusst, dass sie in Israel ein sehr viel besseres Leben haben als in ihrem Stammland Syrien. Zudem ist ihre Religion friedlich ausgerichtet, und so haben denn auch letztes Jahr die glaeubigen Drusen versucht, die Randalierer zu bremsen – und wurden selber von diesen attackiert.
Israeli, Schweizer, Jemenite, Druse...

Saed, Kifachs Gatte, beim Feuern
Dass trotz ethnischen, religioesen und staatspolitischen Unterschieden ein friedliches Zusammenleben moeglich ist, zeigen die Bekannt- und Freundschaften der Familie Ashtar, bei der wir aktuell leben. Kifach, die fast jeden Tag kommt, um bei der Instandstellung der “Cabins” (der Gaestehuetten), den bestellten Morgenessen und dem nie enden wollenden Abwasch zu helfen, ist Drusin. Auch ihr Mann Saed ist oefterns Gast im Hause, und Hamud ist ein weiterer Freund, welcher Guy beim Pflastern der Hauswand half. Bei Kifach und Saed waren wir sogar einmal eingeladen, und sie zeigten uns bei einer naechtlichen Rundfahrt die Gegend inklusive den Grenzzaun zu Syrien. Man hilft sich normalerweise ueber die oben erwaehnten Unterscheide hinaus, wobei sich  politische Diskussionen meist in Grenzen halten.

Aber Guy und vor allem Lilach machen kein Hehl daraus, dass sie sehr ueberzeugte Nationalisten sind, dh sie unterstuetzen die Haltung der Regierung, die fuer die Nation sichere Grenzlinien will. Und wir koennen gut verstehen, dass fuer sie die Erklaerung der Knesset von 1982 bindend ist, als der Golan zum integralen Teil Israels erklaert wurde. Verhandeln kann man ja immer und immer wieder – wenn denn der Verhandlungspartner auch vertrauenswuerdig ist und sich an die Abmachungen haelt, was scheints bei den Palaestinensern kaum der Fall zu sein scheint. Der fruehere Assad senior von Syrien zB soll mehrere Gelegenheiten fuer einen bindenden Vertrag mit Israel (mit Landrueckgabe!) verpasst haben, weil er immer wieder neue Forderungen stellte, nachdem die Abmachungen praktisch schon niedergeschrieben waren.
Soldaten auf dem Hermon

Auf alle Faelle kann man auch hier bei uns deutlich sehen, das Israel alles andere als eine sicher etablierte Nation ist, sondern auch heute noch stets um seine Existenz bangen muss. Auf jeder hoeheren Erhebung im Golan kann man die militaerischen Anlagen sehen, und die Armee ist stets in Bereitschaft. Wir wurden sogar Zeugen einer kombinierten militaerisch-zivilen Uebung mit einer ganzen Division: Lilach, unsere Gastgeberin musste ihre Abmachungen letzte Woche fuer den ganzen Tag absagen und als Sicherheitsverantwortliche von Nimrod daran teilnehmen. Da konnten wir sie mit Walkie-Talkie und Gewehr ausgeruestet miterleben, wie sie mit den fuer unser Dorf abgestellten Einheiten zusammen das Verteidigungsdidpositiv aufstellte. Auf dem hinter dem Haus gelegenen Bunker errichtete eine Gruppe einen Ausguck, waehrend die andere den Dorfeingang mit dem Eisentor bewachte. Die Waffen waren zwar nicht geladen, aber die vollen Magazine daran befestigt, um sofort fuer den Einsatz bereit zu sein. Einer der temporaeren Einwohner Nimrods ist uebrigens ein hoher Militaer im Range eines Einstern-Generals.

Trotz der damit demonstrierten Omnipraesenz des Miltaers beziehungsweise der staendigen Einsatzbereitschaft haben wir hier nie das Gefuehl von Bedrohung oder Gefahr, sondern fuehlen uns wirklich wohl und sicher im Nordzipfel Israels.

Dienstag, 1. Mai 2012

Weitere Ausfluege von Nimrod aus

Blick von Nimrod auf den Ram-See und rechts davon die Siedlung Mas'ade
Einen weiteren Erkundungstrip zu Fuss machten wir mit unserem temporaeren Mit-Volontaer Yan nach Mas'ade, der naechstgelegenen Drusensiedlung mit etwas gleich vielen Einwohnern wie Felben-Wellhausen - aber einer doppelspurigen, richtungsgetrennten Hauptstrasse. 


Doch zuerst einmal fuehrte uns unser Weg durch die vielen Obstgaerten, die an den Haengen terassenartig angelegt sind und meistens von drusischen Bauern bewirtschaftet werden. Die Drusen sind urspruenglich Syrer, aber keine eigentlichen Muslime, von denen sie sich im  Jahrhundert abgespalten haben und nun eine Art Sekte und damit eine Minderheit bilden. Das ganze Gebiet hier ist bekannt fuer die reichen Ernten von Kirschen und Aepfeln, aber wir sahen auch Quitten-, Aprikosen-, Pfirsich- und Kiwi-Baeume, von denen die Kirschen schon verblueht, die anderen in voller Bluete. Dass ich in einer Anlage sogar einen Hasen davon hoppeln sah, brachte ich natuerlich in Verbindung mit dem aktuellen Ostertag. 

Hermon-Gebirge hinter dem Berekhat Ram
Wir wanderten weiter zum Ram-See, welcher sich in der Groesse etwa mit dem Guebsenweiher vergleichen liesse und den wir von Nimrod aus taeglich bewundern koennen. Die Form des Sees laesst unschwer darauf schliessen, dass es sich um einen ehemaligen Vulkankrater handelt, was durch das Basaltgestein der Gegend bestaetigt wird. Der Spaziergang um den See herum war sehr angenehm, wenn auch etwas getruebt durch die Verschmutzung der Ufer mit Zivilisationsabfall aus Kunststoffen und anderem Material. Da die heisse Sonne Durst und der staubige Weg Hunger machte, entschlossen wir uns zu einem Besuch in einem - natuerlich dem besten - Einheimischen-Restaurant mit Strassencafe und Feuerstelle im Freien fuer die diversen Kebabs. 

Die grosse gemische Platte mit den diversen lokalen Spezialitaeten und die wundervoll frisch gemachte echte Limonade machte uns alle drei satt und zufrieden. Und der Weg zurueck auf die Anhoehe von Nimrod war anschliessend nicht mehr schwer, obwohl wir fuer den Aufstieg doch etwas mehr als eine Stunde benoetigten. 













Die bisher letzte Freitags-Aktivitaet brachte uns zusammen mit Ranaan, dem anderen Freiwilligen, mit welchem wir zusammen wohnen, auf den Hermonberg. Er ist die hoechste Erhebung hier in Israel, mit 2236 m fast so hoch wie der Saentis und dieses Jahr immer noch mit etwas Schnee bedeckt. Wir durften den Pickup von Guy ausleihen und fuhren mit diesem via Majdal Shams (ebenfalls exklusiv drusisch) zum Skigebiet Mount Hermon auf ca 1800 m Hoehe. Eigentlich ist der Hermon nicht ein einzelner Berg, sondern ein Massiv aehnlich unserem Alpstein, mit mehreren Gipfeln, von denen einer nun israelisch besetzt ist. 
Blick gegen Westen, im Hintergrund der Libanon
Dieser Teil wird auch "das Auge der Nation" genannt und ist von diversen militaerischen Anlagen ueberzogen, die das strategisch wichtige Gebiet dauernd ueberwachen. Natuerlich sind wir unbedarften Schweizer auf dem Gipfel, den wir mit dem Sessellift unter massiven Windattacken erreichten, bei unseren Erkundungen im Schnee genau ins militaerische Sperrgebiet hineingeraten, was uns einen hoeflichen aber sehr entschiedenen Hinauswurf einbrachte (aber wenigstens keine Festnahme und kein Verhoer, wie das einem deutschen Tramper offenbar passiert ist, wie er uns erzaehlt hatte).

Spannend war fuer uns vor allem, wie sehr traditionell gekleidete orthodoxe Judenfamilien sich auf dem Hermon im Schnee so richtig austobten, obwohl die Kleidung alles andere als fuer den Wintersport geeignet ist. 


Ranaan machte uns dann noch mit dem Betreiber einer Rollschlitten-Anlage (natuerlich Druse) bekannt, wo wir noch einen typischen tuerkischen Kaffee vorgesetzt bekamen. 

Auf dem Rueckweg vom Berg machten wir in Majdal Shams Halt, da uns Ranaan die Herstellerin des besten Drusenbrots vorstellen wollte. Es ist ein Vollkornteig, der hauchduenn ausgewallt und ausgezogen wird, um anschliessend ueber einem von unten geheizten Ofen (siehe Bild) knusprig und trotzdem biegsam gebacken zu werden: dannwird das ganze mit einer Art Joghurt-Kaese und Gewuerzen gefuellt und auf Briefgroesse zusammengelegt. Natuerlich mussten wir das Produkt probieren, und natuerlich blieb es nicht bei einem Exemplar, was uns drei zusammen etwas weniger als 100 Schekel kostete (fast 20 Franken). Jedenfalls brauchten wir am Abend kaum noch Nachtessen, weil wir uns die Baeuche so voll geschlagen hatten...


Erkunden der Umgebung von Nimrod

Natuerlich sind wir nicht ganz immer am Krampfen. Hin und wieder gibt es wirklich auch eine kleine Auszeit. Wie versprochen hier also ein vorlaeufiger Bericht ueber unsere Freizeit, die wir fuer das Erkunden der Umgebung Nimrods verwendet haben. 


Unser erster Ausflug fuehrte uns zu den hier bekannten Sehenswuerdigkeiten des Schlosses Nimrod und den Pan-Quellen bzw -Wasserfaellen (Banias). In einem recht angenehmen Abstieg von Nimrod ueber fast alpin anmutende Weiden mit Kuehen und diversen uns meist unbekannten Pflanzen (siehe Uebersicht auf facebook) erreichten wir nach ca 1 1/2 Sunden die Hauptstrasse nach dem Schloss Nimrod, wo ein Parkplatz fuer ein drusisches Heiligtum und ein Campingplatz zu finden sind. Unsere Frage nach einem Fussweg zu den Ruinen bei den israelischen Campern fuehrte dazu, dass uns ein netter junger Pfadifuehrer mit dem Auto bis auf den Bergsporn auf ueber 800 m mit den Ueberresten der Burg fuehrte. Heiss war der Tag und heiss die Felsen, so dass die Klippschliefer (wir tippten zuerst auf eine Art Murmeltiere) traege in der Sonne verdauten und sich nicht gross stoeren liessen. Die monumentale Anlage, benannt nach dem mutigen biblischen Jaeger Nimrod, ist sehr wahrscheinlich durch dem muslimischen Herrscher El-Malik el-Aziz Uthman im 12. Jahrhundert erbaut worden und wechselte im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals von Muslimen zu Kreuzrittern und zurueck und wurde etwa im 15. Jahrhundert verlassen. Noch ist nicht alles der etwa 400m auf 150m messenden Anlage ausgegraben, aber das aktuell Sichtbare ist auf alle Faelle imposant und sehenswert.
Der Abstieg ins Tal gestaltete sich etwas laenglich, musste doch immer wieder ueber Felsbrocken und durch Buesche gestiegen werden, sodass wir nach weiteren 1 1/2 Stunden im Talgrund bei den Banias ankamen und die Ueberreste von griechischen und roemischen Gebaeuden, welche vornehmlich dem Pan-Kult dienten, bewundern konnten. 


Wir genehmigten uns einen kuhelen Fruchtsaft im Touristen-Kiosk und nahmen dann den sehr angenehmen und schattigen Weg entlang dem Fluss unter die Fuesse und erreichten nach einer weiteren Stunde die Wasserfaelle von ca 10m Hoehe. 

Fuer Israelis sind das die nationalen Niagara-Faelle und symbolisieren das sehr geschaetzte Lebenselixier Wasser, ohne das hier keine Agrikultur moeglich ist. Nachdem wir uns am Stand beim Ausgang noch mit Feigenkonfi und Aepfeln eingedeckt hatten, marschierten wir den staubigen Weg bis zur Hauptstrasse und dem Bus-Halt - entlang an gruenen Gebieten mit Zaeunen und Tafeln die vor Minen warnten. 

Die Krone unseren Ausfluges bildete die Tatsache, dass der Bus unser Haltezeichen einfach uebersah und vorbei flitzte, sodass wir erst zwei Stunden spaeter und eine Haltestelle weiter dann den letzten Bus nach Nimrod (siehe unten) erwischten...

Um diesen blog nicht zu ueberladen, berichte ich spaeter ueber weitere Ausfluege. (Sorry, dass ich die Bilder nicht immer wie gewuenscht in den Text einfuegen konnte - aber es sollte schon sichtbar sein, was sie darstellen, oder?)