“Ist es nicht gefaehrlich fuer Euch, ausgerechnet in Israel Freiwilligenarbeit zu leisten?” haben uns manche Bekannte und Freunde vor rund drei Monaten gefragt. Natuerlich haben wir uns damals schon im Vorfeld ueber die aktuelle Lage im Nahem Osten informiert, und die Meldungen aus zB Syrien waren und sind ja alles andere als ermutigend.
Und nun haben wir es am eigenen Leib erlebt: eigentlich gibt es kaum einen friedlicheren Ort in dieser Gegend als ausgerechnet den Golan, und wir leben hier etwa 2 km von der syrischen Grenze entfernt! Wir haben uns sagen lassen, dass diese Grenze Israels bisher mit Abstand die wenigsten Zwischenfaelle aufweist, wenn man einmal vom letzten Jahr absieht. Da stroemten naemlich am “Tag des Desasters” (“nakbade”, dem Tag der Unabhaengigkeitserklaerung Israels im Jahr 1948) Hunderte von Palaestinensern von Syrien aus ueber die Grenze nach Majdal Shams (drusische Grenzstadt), wo sie ziemlich agressiv randalierten. Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass es zu diesem Zwischenfall kam, denn die hier ansaessigen Drusen (arabische, von den eigentlichen Moslems ziemlich frueh abgespaltene Minderheit) sind sich durchaus bewusst, dass sie in Israel ein sehr viel besseres Leben haben als in ihrem Stammland Syrien. Zudem ist ihre Religion friedlich ausgerichtet, und so haben denn auch letztes Jahr die glaeubigen Drusen versucht, die Randalierer zu bremsen – und wurden selber von diesen attackiert.
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| Israeli, Schweizer, Jemenite, Druse... |
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| Saed, Kifachs Gatte, beim Feuern |
Dass trotz ethnischen, religioesen und staatspolitischen Unterschieden ein friedliches Zusammenleben moeglich ist, zeigen die Bekannt- und Freundschaften der Familie Ashtar, bei der wir aktuell leben. Kifach, die fast jeden Tag kommt, um bei der Instandstellung der “Cabins” (der Gaestehuetten), den bestellten Morgenessen und dem nie enden wollenden Abwasch zu helfen, ist Drusin. Auch ihr Mann Saed ist oefterns Gast im Hause, und Hamud ist ein weiterer Freund, welcher Guy beim Pflastern der Hauswand half. Bei Kifach und Saed waren wir sogar einmal eingeladen, und sie zeigten uns bei einer naechtlichen Rundfahrt die Gegend inklusive den Grenzzaun zu Syrien. Man hilft sich normalerweise ueber die oben erwaehnten Unterscheide hinaus, wobei sich politische Diskussionen meist in Grenzen halten.
Aber Guy und vor allem Lilach machen kein Hehl daraus, dass sie sehr ueberzeugte Nationalisten sind, dh sie unterstuetzen die Haltung der Regierung, die fuer die Nation sichere Grenzlinien will. Und wir koennen gut verstehen, dass fuer sie die Erklaerung der Knesset von 1982 bindend ist, als der Golan zum integralen Teil Israels erklaert wurde. Verhandeln kann man ja immer und immer wieder – wenn denn der Verhandlungspartner auch vertrauenswuerdig ist und sich an die Abmachungen haelt, was scheints bei den Palaestinensern kaum der Fall zu sein scheint. Der fruehere Assad senior von Syrien zB soll mehrere Gelegenheiten fuer einen bindenden Vertrag mit Israel (mit Landrueckgabe!) verpasst haben, weil er immer wieder neue Forderungen stellte, nachdem die Abmachungen praktisch schon niedergeschrieben waren.
| Soldaten auf dem Hermon |
Auf alle Faelle kann man auch hier bei uns deutlich sehen, das Israel alles andere als eine sicher etablierte Nation ist, sondern auch heute noch stets um seine Existenz bangen muss. Auf jeder hoeheren Erhebung im Golan kann man die militaerischen Anlagen sehen, und die Armee ist stets in Bereitschaft. Wir wurden sogar Zeugen einer kombinierten militaerisch-zivilen Uebung mit einer ganzen Division: Lilach, unsere Gastgeberin musste ihre Abmachungen letzte Woche fuer den ganzen Tag absagen und als Sicherheitsverantwortliche von Nimrod daran teilnehmen. Da konnten wir sie mit Walkie-Talkie und Gewehr ausgeruestet miterleben, wie sie mit den fuer unser Dorf abgestellten Einheiten zusammen das Verteidigungsdidpositiv aufstellte. Auf dem hinter dem Haus gelegenen Bunker errichtete eine Gruppe einen Ausguck, waehrend die andere den Dorfeingang mit dem Eisentor bewachte. Die Waffen waren zwar nicht geladen, aber die vollen Magazine daran befestigt, um sofort fuer den Einsatz bereit zu sein. Einer der temporaeren Einwohner Nimrods ist uebrigens ein hoher Militaer im Range eines Einstern-Generals.
Trotz der damit demonstrierten Omnipraesenz des Miltaers beziehungsweise der staendigen Einsatzbereitschaft haben wir hier nie das Gefuehl von Bedrohung oder Gefahr, sondern fuehlen uns wirklich wohl und sicher im Nordzipfel Israels.











